Die Höhle am Hügel

Bret Harte

Achtes Kapitel

Preble Key kehrte vom Kloster in sein Hotel zurück nicht mit der Befriedigung, die man empfindet, wenn man eine gute That vollbracht hat. Er war keineswegs sicher, daß er das gethan hatte, was für das junge Mädchen das beste war. In seiner fieberischen Eile hatte er keine Wahl, seine wirklichen Gefühle zu erkennen. Im Halbschlaf wälzte er sich in der Nacht auf seinem Lager umher, in seinen Träumen erschien das liebliche Bild. Er wartete die nächsten Tage auf den Gruß, den sie versprochen hatte, und welchen sie nach seiner Meinung leicht schicken konnte. Aber keine Botschaft kam. Der Tag ging vorüber, er wurde unruhig. Die Furcht, daß ihre Flucht bemerkt worden sei, peinigte ihn. Wenn sie unter strenger Aufsicht war, konnte sie nicht zu ihm, auch konnte er sie nicht seiner Teilnahme versichern, wie sein Herz es ihm eingab. In ihrer kindlichen Befangenheit konnte sie die ganze Wahrheit verraten haben, und dies würde ihm die Thür des Klosters verschließen, und sie noch mehr bloßstellen, wenn er vorsprechen würde. Er erwartete die Prozession, aber sie war nicht dabei. Die wildesten Pläne, um sie zu sehen, schossen durch seinen Kopf, aber immer wieder verwarf er sie. Er kehrte herzkrank und niedergeschlagen in sein Hotel zurück. Der Hausknecht begegnete ihm auf der Treppe und sagte: »Schwester Serafine wartet im Wohnzimmer auf Sie!«

Es unterlag für ihn keinem Zweifel, daß die Sache entdeckt sei, und mit diesem Gefühl ging er die Treppen hinauf. Er rannte ins Zimmer, vergaß aber diesmal nicht, die Thür hinter sich zu schließen. Aengstlich schaute er nach dem Fenster, wo er sie das vorige Mal gesehen hatte, aber nun stand sie auch schon vom Sofa auf. Er flüsterte leise den Namen, den sie ihm gesagt hatte, und wollte auf sie zugehen, als sie den Schleier lüftete, und er in ein blasses, kindliches Gesicht blickte. Es war nicht Alice, die wirkliche Schwester Serafine stand vor ihm.

Seiner bittern Enttäuschung war der jähe Schreck gefolgt, daß alles entdeckt sei, und er stand vor ihr, jammernd, aber ohne ein Wort zu sagen.

Zum Glück für ihn begann sie zu sprechen: »Ich fürchte, daß ich Euch überrascht habe, aber es war keine Zeit, erst lange ein Zusammentreffen zu besprechen, und Schwester Aebtissin meinte, daß es besser sei, wenn ich mit Euch persönlich reden würde. Pater Cipriano gab uns Eure Adresse.«

Erstaunt und verwundert bot Key ihr einen Stuhl an.

»Ihr werdet Euch erinnern,« begann sie sanft, »daß die Aebtissin von Euch eine Information wünschte über den Bruder einer unserer Schülerinnen, die wir durch die Vermittelung einer – Gefährtin oder Bekanntin – einer Mrs. Barker erhielten. Da sie durch einen Brief von dem Bruder autorisiert war, trugen wir kein Bedenken, sie als Repräsentantin anzusehen. Wir waren daher erstaunt, diesen Morgen von ihm einen Brief zu erhalten, in welchem er jede weitere Einmischung, Korrespondenz oder Verbindung seiner Schwester mit dieser Mrs. Barker verbietet. Es war notwendig, das Kind von diesem Befehl sofort in Kenntnis zu setzen, zumal es im Begriff war, an jene Frau zu schreiben. Wir waren aber über die Wirkung unseres Eingriffs erschrocken: heute mittag entfloh sie aus dem Kloster!«

Key, der ihr mit Interesse gefolgt war, sprang bei diesem unerwarteten Ausgang auf.

»Entflohen!« rief er aus, »unmöglich! Ich denke,« fügte er schnell, sich selbst verbessernd, hinzu, »Eure Disziplin und Eure Beaufsichtigung ist eine so ausgezeichnete!«

»Das arme thörichte Kind benutzte für seine Flucht ein Sacrilegium Ordensgewand.und zwar mein eigenes.«

»Aber dies würde doch gerade ihre Entdeckung erleichtern,« sagte Key.

»Nicht im geringsten, denn es gehen viele von uns im Missionsdienst fort, alle tragen gleiche Kleidung. Um jedes unnötige Aufsehen zu vermeiden, haben wir Privatagenten nach allen Richtungen ausgesandt, bisher ohne den nötigen Erfolg.«

»Und Ihr kamt,« sagte Key, der zu seiner ersten Vermutung zurückkehrte und der das Gespräch kurz abzubrechen wünschte, »zu mir, beinahe einem Fremden?«

»Nicht ein Fremder,« entgegnete die Schwester, »denn Ihr seid mit den Verhältnissen der Heimat des unglücklichen Kindes und seines Bruders bekannt. Wir kommen vom Pater Cypriano, und Ihr werdet am besten wissen, was es heißt, Verwandte zu haben – Ihr, die Ihr gestern selbst kamt, um –«

»Genug!« unterbrach Key sie schnell, »ich werde sofort gehen. Ich kenne diesen Mann nicht, werde aber mein möglichstes thun, um ihn zu finden. Und dies – dies – junge Mädchen, kann sie nicht noch hier sein?!«

»Nein! wir fürchten, sie ist schon weit weg von hier. Wenn Sie sofort nach San Louis ging, kann sie leicht den Zug nach San Francisco benutzt haben, ehe wir ihre Flucht bemerkten. Vielleicht ist sie zu ihrem Bruder gegangen, vielleicht auch, um ihre Freundin zu suchen.«

»Diese Freundin reiste gestern morgen ab?« sagte er schnell. »Gut, Ihr könnt auf mich rechnen. Nun, da wir keine Zeit verlieren dürfen, will ich meine Vorbereitungen treffen, um mit dem nächsten Zuge abfahren zu können.« Er schwieg, streckte seine Hand aus und sagte mit beinah kindlichem Vertrauen: »Bittet Gott für mich um Schnelligkeit, Schwester Serafine!«

»Möge die heilige Jungfrau Euch beschützen!« sagte sie. Dann ging sie fort.

Key blieb allein und dachte über das Gehörte nach. Er verfiel wieder in seine alten Reflexionen, als ein Diener mit einer Depesche ins Zimmer trat. Er eröffnete sie hastig, aber sie enthielt nur eine einfache Nachricht von seinem Aufseher. Er las: »Kommt sofort, wichtig.«

Er setzte sich sofort auf den Zug. Er glaubte mit Schwester Serafine, daß das junge Mädchen sofort zu seinem Bruder zurückgekehrt sei, ebensogut hätte Alice aber Mrs. Becker aufsuchen können. Der letzte Brief, welchen die Aebtissin erhalten hatte, war aus Bald Top abgesandt, eine Ansiedlung in der Nähe von Skinners.

Unter mancherlei Gedanken kam er endlich bei Skinner an, seine halb sorglose Frage, ob kürzlich ein weiblicher Passagier angelangt sei, rief auf dem Gesicht des Wirts ein breites Lächeln hervor.

»Ihr seid der zweite Mann, der jene Frage stellt, Mr. Key,« sagte er.

»Der zweite Mann?« rief Key nervös aus.

»Ja, der erste war der Sheriff von Sierra. Er wünschte eine große, gutaussehende Frau, ungefähr dreißig Jahre alt, mit schwarzen Augen, zu finden. Ich hoffe, das ist nicht die Sorte Mädchen, die Ihr sucht.«

Key protestierte mit einem lauten Lachen, beschrieb aber doch Alice, und vermutete, daß die andere Dame Mrs. Barker gewesen sein müsse.

Skinner fuhr fort: »Ihr wißt, daß der Sheriff kürzlich den Wald nach der Straßenräuberbande durchsucht hat, die zwischen Bald Top und Collinson ihr Lager aufgeschlagen haben sollte. Aber das Weib war eine ihrer Spione und gab ihnen ein Zeichen, daß sie entschlüpfen konnten. Das große Erdbeben hat dem Sheriff schwere Arbeit gemacht. Sie sagen, das Thal nahe dem Canon sei voll von Felsen und Schlamm, welcher herunterfloß.«

»Was meint Ihr vom großen Erdbeben?« fragte Key mit Erstaunen.

»Great Scott, Ihr hörtet nichts davon, Ihr hörtet nicht, daß das Erdbeben uns vorige Nacht aufrüttelte? Ja, so seid Ihr, Ihr glaubt immer, daß im Gebirge sich nichts ereignen kann!«

Das eigentümliche Telegramm beschäftigte Keys Geist. Skinner sah sein nachdenkliches Gesicht und sagte: »Eurer Mine ist nichts passiert, Mr. Key. Einer von Euren Leuten war schon hier und hat nichts gesagt.« Aber dies befriedigte Key nicht und in wenigen Minuten hatte er sein Pferd gesattelt und sprengte der Höhle zu. Wenige schnelle Anfragen an seinen Aufseher befriedigten ihn über das Schicksal der Mine.

»Was ich Euch telegraphierte, Mr. Key, hatte nichts mit dem Erdbeben zu thun, sondern bezog sich auf eine gesetzliche Bekanntmachung des Claims durch die letzten Besitzer.«

»Aber die letzten Besitzer waren Diebe, Räuber, Gesetzlose, die die Höhle als einen Aufbewahrungsort für ihre Beute betrachteten,« erwiderte Key hitzig, »sie haben gesetzlich keinen Anspruch.«

»Aber der Claim ist nicht in ihrem Namen,« erwiderte der Aufseher ruhig, »sondern der Führer ergriff von der Höhle Besitz vor seiner Gesetzesübertretung, und stellte den Claim aus auf den Namen seiner jungen Schwester Alice Riggs oder sonstwie.«

Von den vielen Gedanken, die durch Keys Hirn schossen, blieb nur der eine zurück, daß Mr. Riggs die Zukunft seiner Schwester hatte sichern wollen. Wenn er auch den wahren Charakter der Höhle erst erkannt hatte, so blieben Minengesetze doch Minengesetze, und es war keine Aussicht vorhanden, daß er eine Aenderung herbeiführe.

Doch daran dachte Key in diesem Augenblick weniger, seine Gedanken waren bei dem jungen Mädchen. Er mußte sie finden, deshalb beschloß er, zu Collinson zu gehen und von hier aus mit seinen Nachforschungen zu beginnen.

Er saß schon im Sattel, als der Aufseher ihm zurief: »Wenn Ihr zu Collinson reitet, so fragt ihn, ob er ein Pferd verloren hat. Am Morgen nach dem Erdbeben fanden Knaben einen Mustang mit einem Damensattel.«

Key ritt ab. Es war nicht unmöglich, daß Alice das Pferd benutzt hatte, es hätte aber auch die andere Frau sein können.

»Stelltet Ihr keine Untersuchung an? Es kann irgend ein Unfall stattgefunden haben.«

»Ich meine, es war kein Unfall,« erwiderte der Aufseher kühl, »denn das Pferd schien ausgebrochen zu sein.«

Ohne ein weiteres Wort gab Key seinem Pferde die Sporen und ritt weg.

Nach zwei Stunden hatte er den dichten Wald erreicht, von dem aus sich der Weg zu Collinsons Mühle abzweigte. Aber die überhängenden Felsen, die er so oft bewundert hatte, waren verschwunden, von der Mühle fand sich keine Spur mehr und die stolzen Pinien waren niedergebrochen. Wenn dies Naturereignis vor Alicens Ankunft stattgefunden hatte, so war sie gerettet, im andern Fall aber mochte er an das Unglück nicht denken. In wilder Verzweiflung rief er: »Alice!«

Die Wälder gaben das Echo wieder; eine kurze Pause trat ein, dann folgte eine Erwiderung. Es war ihre Stimme. Er rannte in der Richtung vorwärts und rief wieder; die Stimme schien näher zu kommen. Dann sah er sie kommen, hastig, obgleich sie strauchelte und hinkte, wie ein verwundetes Reh. Ihr Gesicht war blaß und angegriffen. Die Strähnen ihres hellen Haares hingen über die Schulter herab und einer der Aermel ihres Kleides war voll Blut und Staub. Er faßte die weißen, zitternden Hände, die sich ihm ängstlich entgegenstreckten.

»Du bist es!« rief sie aus, »ich bat, daß jemand kommen möchte, aber glaubte nicht, daß du es sein würdest. Und dann hörte ich deine Stimme und glaubte zu träumen, bis ich sie zum zweitenmal hörte.«

»Aber du bist verwundet,« sagte er leidenschaftlich, »ist dir ein Unfall zugestoßen?«

»Nein, nein,« sagte sie ängstlich, »nicht ich – ich fand einen armen, armen Mann auf der Spitze der Klippe liegen, ich konnte ihm nicht viel helfen, aber ich habe ihn nicht verlassen Keiner kam! ich bin mit ihm allein gewesen den ganzen Morgen, komm schnell, er wird sonst sterben.«

Er legte seinen Arm um ihre Taille; er trug sie halb, während sie vorwärts eilten.

»Er ist durch irgend etwas verwundet worden und konnte weder sich bewegen, noch sprechen,« begann sie, »ich zog ihn fort gleich einem Baum, es kostete mich Stunden, um ihn zu bewegen, denn er war so schwer. Ich brachte ihm etwas Wasser aus dem Strom und wusch ihm sein Gesicht, daher kommt auch das Blut an meinem Aermel.«

»Aber was thust du hier?« fragte er.

Eine zarte Röte bedeckte ihre Wangen, sie sah schnell weg. »Ich war im Begriff, meinen Bruder zu suchen,« sagte sie endlich schnell, »aber frage mich jetzt nicht, komm nur.«

»Ist der verwundete Mann bei Besinnung, sprachst du mit ihm, weißt du, wer er ist?« fragte Key.

»Nein, er murmelte nur etwas und öffnete seine Augen, als ich ihn zog. Ich glaube nicht, daß er weiß, was sich ereignete.«

Sie eilten wieder vorwärts. Der Wald lichtete sich plötzlich. »Hier!« sagte sie halb flüsternd und zog ihn ins offene Licht. Nur wenige Fuß von dem verhängnisvollen Abhang, mit ihrem Shawl bedeckt, lag der verwundete Mann.

Key fuhr zurück – es war Collinson.

Sein Kopf und seine Schultern schienen unverletzt, aber als Key den Shawl aufhob, fand er am Leib viele kleine Wunden. Key beugte sich über den Verwundeten, horchte auf seinen schnellen Atem und das Schlagen seines Herzens. Dann setzte er eine Trinkflasche an seine Lippen. Das Getränk schien ihn zu ermuntern, er öffnete langsam seine Augen. Diese richteten sich auf Key, und ihr Glanz sagte deutlich, daß sie ihn erkannten.

»Ich kann nicht aufstehen, Mr. Key,« sagte er mit leiser Stimme, »auch meine Arme nicht bewegen, aber gestattet mir, Eure Hand zu drücken.«

»Wie kam es?« fragte Key.

»Zuweilen weiß ich es, zuweilen nicht; es schien mir, als ob ich mich überstürzte beim Versuch, mein Weib zu retten, aber wenn ich dann sah, daß mein Weib nicht da war, glaubte ich mich getäuscht. Immer dachte ich an mein Weib, bis dies junge Mädchen als Engel zu mir kam und mich vom Abhang fortzog.«

»Dann wart Ihr nicht im Hause, als der Erdstoß kam?« fragte Key.

»Nein. Wißt, die Mühle war voll von ihnen, als der Sheriff kam und sie angriff – und ich – –

»Alice,« sagte Key mit einem weißen Gesicht, würdest du die Güte haben, nach meinem Pferd zu gehen, das du irgendwo in der Nähe finden wirst, und mir aus der Satteltasche einen Medizinkasten bringen?«

Das unschuldige Mädchen warf einen schnellen Blick auf seinen Gefährten, sah die Veränderung in seinem Gesicht, und ging sofort, da sie eine große Gefahr für den verwundeten Mann fürchtete. Als sie außer Hörweite war, lehnte Key sich über den Verwundeten und sagte: »Collinson, ich muß Euch ein Geheimnis anvertrauen. Dies arme Kind, das Euch half, ist die Schwester des Führers der Bande, die der Sheriff verfolgte. Sie ist in vollständiger Unkenntnis der Verbrechen ihres Bruders aufgewachsen. Sie darf sie nie kennen lernen, auch nicht sein Schicksal. Wenn er durch diese Katastrophe zu Grunde gegangen ist, wie es scheint, so ist es Gottes Wille. Ich sage Euch dies, um Euch zu warnen, etwas zu ihr zu sagen. Sie mag glauben, er sei, in die Staaten zurückgegangen und dort gestorben.«

» I see – I see – ich sehe, Mr. Key,« murmelte der Verwundete, » That’s wot I’ve b’sayin’ to myself lyin’ her’ll night. Das ist es, was ich zu mir selbst sagte, als ich heute nacht hier lag, das ist es, was ich von meinem Weib Sadie sagte, von dem ich annahm, daß es meinetwegen zurückgekommen war. Ich war ein Narr, und ihre Untreue – ich glaubte sie treu für eine Minute. Mir träumte, sie käme zu mir durch die Wälder. Zuerst glaubte ich, es sei meine Sadie – aber als ich sah, daß sie nicht wie früher war, als ihre Stimme mir fremd und ihr Lachen mir fremd erschien – da wußte ich, daß ich träumte. Ihr habt recht, Mr. Key – besser nichts wissen, als wissend getäuscht worden zu sein.«

»Habt Ihr Schmerzen?« fragte Key nach einer Pause.

»Nein, ich fühle mich bedeutend leichter.«

Key sah auf ihn. »Erzählt mir alles, was sich ereignete, alles, was Ihr wißt. Es ist ihretwegen.«

Collinson erzählte von seiner Zuneigung zu Chivers, von seinem blinden Vertrauen in sein schlechtes Weib. Er unterbrach sich häufig.

Alice kam wieder und das Gespräch verstummte. Die Medizin schien eine recht gute Wirkung auszuüben. Collinson fuhr fort:

»Ich danke Euch, Mr. Key, und auch Euch, Miß. Nehmt seine Hand, Ihr thut ein gutes Werk.«

Die beiden thaten, wie er es wünschte, sie standen an seiner Seite und sahen in die schmerzvoll bewegten Züge eines Sterbenden.

»Da war ein junger Bursche,« sagte Collinson mit klarer Stimme, »er kam in meine Hütte, zwei Tage, bevor er in – in – das – Thal ging. Collinson, sagte er zu mir, ich muß heute abend nach den Staaten gehen, wichtige Geschäfte rufen mich dorthin. Ihr kennt Mr. Key in der Höhle. Geht zu ihm und sagt ihm, daß Rivers – habt Ihr den Namen verstanden, Mr. Key, und auch Ihr, Miß? – daß Rivers nach den Staaten gegangen ist – er habe keine Zeit gehabt, seinen Freunden Lebewohl zu sagen, sagt ihm, er möge dies seiner geliebten kleinen Schwester sagen. Und sagt ihm – sagte er – dieser Rivers – nach ihr zu sehen, wenn sie allein steht. Habt Ihr es verstanden, Mr. Key? Auch Ihr, Miß? Ihr seht, ich hab es behalten bis –« er machte eine Pause – »bis nun.«

Dann war er still. Diese unschuldige Lüge war die erste und einzige in seinem Leben gewesen, denn als sie Hand in Hand neben ihm standen, verklärten sich seine Züge. Er sah die Berge um sich her, er sah die grünen Wälder, und die beiden Menschen, die er glaubte glücklich gemacht zu haben. In Frieden zog seine Seele hinüber in ein besseres Jenseits.

*

»Ihr lachtet, Don Preble,« sagte die Aebtissin einige Wochen später zu Key, »als ich Euch sagte, daß viele Caballeros ihre zukünftigen Bräute dem Schutze der heiligen Kirche anvertrauen, doch das ist die Wahrheit, ich meinte Euch nicht. Und doch – nun, wir werden sehen.«